9 Dinge, die Sie über Einweghandschuhe wissen sollten

Einmalhandschuhe werden nach einmaliger Nutzung umgehend entsorgt und finden Anwendung in zahlreichen Bereichen - im Privathaushalt, in der Lebensmittelindustrie und Kosmetikbranche, in der Gebäudereinigung, in Kliniken, Praxen und medizinischen Einrichtungen wie Pflegediensten.

Latex Handschuhe, Nitrilhandschuhe oder Einmalhandschuhe aus Vinyl senken im medizinischen Bereich das Infektionsrisiko von Patienten und Personal, schützen in Laboren vor Kontaminierung mit schädlichen Substanzen und verhindern den Kontakt mit Chemikalien oder Verunreinigungen von Nahrungsmitteln. Einweghandschuhe müssen aufgrund ihres häufigen Gebrauchs eine hohe Hautverträglichkeit und beste Trageeigenschaften aufweisen. Hier finden Sie Informationen zu den Handschuhtypen, deren Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten.

1. Es gibt verschiedene Ausführungen von Einweghandschuhen

Einmalhandschuhe schützen sowohl vor infektiösen und chemischen Belastungen als auch vor physikalischen und mechanischen Schädigungen. Es bedarf der sorgfältigen Überprüfung, für welche Tätigkeiten Handschuhe zum Einmalgebrauch eingesetzt werden. Latexhandschuhe weisen eine hohe Laugen- und Säurebeständigkeit auf, Schutzhandschuhe aus Nitril sind ebenfalls beständig gegen zahlreiche Chemikalien und zudem resistent gegen Öle. Vinyl-Einmalhandschuhe werden aufgrund ihrer Defektanfälligkeit und der enthaltenen Weichmacher im medizinischen Bereich kaum noch eingesetzt. Handschuhe aus Polyethylen-Folie finden vorwiegend Verwendung im Friseurhandwerk und bei der Lebensmittelverarbeitung. Einmalhandschuhe werden in allen gängigen Größen von XS bis XL angeboten.

Einweghandschuhe gibt es als gepuderte und ungepuderte Version. Gepuderte Handschuhe lassen sich mühelos überstreifen, was gerade bei schwitzenden Händen von Vorteil ist. Puder bei Latexhandschuhen erhöht jedoch das Allergieriskio, da beim Ausziehen Puderpartikel herumwirbeln, die allergene Substanzen enthalten und über die Atemwege absorbiert werden können. Gemäß DIN EN 455 ist die Verwendung gepuderter Latex Handschuhe im Medizinsektor unzulässig. Alternativ kommen insbesondere nitrile Schutzhandschuhe zum Einsatz. Folgend die Vor- und Nachteile der einzelnen Handschuhtypen.

2. Schutzhandschuhe aus Latex – die Handschuh-Klassiker

latexhandschuhePuderfreie Latexhandschuhe gehören zu den Handschuh-Klassikern und kommen in zahlreichen Anwenderkreisen aus Medizin, Industrie, Handel, Laboren und Privathaushalten zum Einsatz. Latexmaterial ist überaus elastisch, extrem reißfest und beständig gegen zahlreiche Laugen und Säuren. Zudem bieten Schutzhandschuhe aus Latex erstklassigen Tragekomfort bei ausgezeichnetem Tastempfinden. Zum Hantieren mit Fetten und Ölen eignet sich dieser Handschuhtyp aufgrund seiner Durchlässigkeit nicht. Hier sind Nitrilhandschuhe die geeignete Wahl. Wegen der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten werden Einmalhandschuhe aus Latex in zahlreichen Stärken und normierten Größen hergestellt. 

Im Gesundheitswesen gehört diese Handschuhart nach wie vor zu den meistverwendeten, da das flexible Latexmaterial eine hervorragende Tastsensibilität gewährleistet. Sehr häufig werden sie daher als Untersuchungshandschuhe und sterile OP-Handschuhe eingesetzt. In der Regel sind Latex Handschuhe mit einem zusätzlichen Rollenrand versehen, um das Herabgleiten zu vermeiden. Sterile Schutzhandschuhe mit verlängerten Stulpen erhöhen die Sicherheit bei Operationen. Spezielle Texturen, die sich der natürlichen Fingerform anpassen, beugen Handermüdungen vor. Argumente, die für Latex-Einweghandschuhe sprechen: - Sehr flexibel, griffsicher und hochelastisch - Exzellente Passform, bester Tragekomfort - Hohe Reißfestigkeit, ausgezeichnete Tastsensibilität - Gute Beständigkeit gegenüber mechanischen und chemischen Belastungen

3. Nitril Einweghandschuhe: Gute Alternative zu Latex

Nitril-Einweghandschuhe

Handschuhe aus Nitril punkten mit gutem Tragekomfort und werden gerne als Alternative zu Latexhandschuhen verwendet, da sie keine allergieauslösenden Latexproteine enthalten. Nitrilhandschuhe sind überaus dehnfähig, reißfest und chemikalienbeständig, allerdings auch durchlässig für einige Lösungsmittel wie Aceton. Nitrile Schutzhandschuhe lassen sich aufgrund der glatten Innenflächen auch ungepudert problemlos an- und ausziehen. Wegen ihrer hohen Virenundurchlässigkeit kommen sie in allen medizinischen Bereichen, häufig als Untersuchungshandschuhe auf Quarantänestationen oder bei Rettungsdiensten, zum Einsatz.

Die Vorteile von Nitril-Einmalhandschuhen:

  • Hohe Elastizität und Reißfestigkeit 
  • Gute Tastsensibilität und Trageeigenschaften
  • Problemloses An- und Ausziehen
  • Hohe Viren- und Bakterien-Undurchlässigkeit
  • Gute Beständigkeit gegen Chemikalien

4. Vinylhandschuhe – angenehm weich auf der Haut

Viele Patienten schätzen bei Untersuchungen Einweghandschuhe aus Vinyl, da sie im Gegensatz zu Latex Handschuhen aufgrund ihrer weichen Konsistenz ein angenehmeres Hautgefühl hinterlassen. Jedoch weisen diese Art Schutzhandschuhe im Vergleich mit Nitril- und Latexhandschuhen vielfältige Nachteile auf, wie unzureichende Flexibilität, Einschränkungen hinsichtlich mechanischer Eigenschaften und schlechtere Passform. Für den Medizinbereich ist diese Handschuhart daher nur eingeschränkt empfehlenswert. Vinyl-Untersuchungshandschuhe, die den Verordnungen und Normen entsprechen, beispielsweise EN 455-1, bieten dennoch hohe Sicherheit. Diese Handschuhart ist meistens Teil der Erste-Hilfe-Ausstattung in Kfz-Verbandskästen, da das Material nur sehr langsam ermüdet. Die Merkmale von Einmalhandschuhen aus Vinyl:  

  • Weiche Konsistenz, daher hohe Akzeptanz 
  • Alterungsbeständig, angenehm tragbar
  • Evtl. Gesundheitsrisiko durch enthaltene Weichmacher
  • eingeschränkte mechanische Eigenschaften und Flexibilität
  • fragliche Bakterien- und Viren-Undurchlässigkeit

5. Wie werden Latex-Einmalhandschuhe hergestellt?

Latexhandschuhe können aus Naturlatex oder künstlichem Latex bestehen. Naturkautschuk ist ein elastisches Isopren-Polymer, wird aus dem Milchsaft des Gummibaums Hevea brasiliensis gewonnen und weist eine extreme Zugfestigkeit auf, die synthetisches Latexmaterial nicht erreicht. Mittlerweile werden zur Naturkautschuk-Produktion auch Milchsäfte anderer Kautschukbäume verwendet. Die in der Milch enthaltenen Gummiharze lassen sich zu einem optimal formbaren Material für die Produktion vielfältiger Latexartikel verarbeiten. Der erste künstliche Kautschuk entstand um das Jahr 1900. Bis heute wurden vielfältige synthetische Isoprenverbindungen entwickelt, wie Styrol-Butadien-Copolymer oder Chloropren-Kautschuk.

Etwa 15 Prozent der Anwender von Latexhandschuhen im Medizinbereich und rund 3 Prozent der Patienten reagieren empfindlich auf die in Naturlatex enthaltenen Proteine. Ein besonders hoher Risikoindikator für die Entstehung einer Latexallergie ist das Handschuhpuder, daher werden im Gesundheitswesen nur noch puderfreie Schutzhandschuhe eingesetzt. Eine Latexallergie kann schwere Entzündungs- und Kreuzreaktionen auslösen.

6. Senkung der Proteinwerte durch doppelte Chlorierung

Bei einer Latexallergie oder einer Überempfindlichkeit gegen Naturkautschuk bieten sich synthetische Latexhandschuhe aus Copolymer oder Polyisopren an. Für anspruchsvolle Anwender empfehlen sich Medizinprodukte gemäß EN 455. Durch eine doppelte Chlorierung sind Latexprotein-Werte kaum noch messbar. Dank einer höheren Wandstärke garantieren diese Einweghandschuhe mehr Schutz und sind universell einsetzbar. Die Chlorierung erfüllt den Zweck, den Handschuhpuder und gleichzeitig einen großen Teil der Proteine zu entfernen. Die Minimierung der Latexproteine bewirkt, dass die puderfreie Handschuhsorte seltener allergische Reaktionen auslöst als gepuderte Modelle. Eine Latexallergie kann auf zwei verschiedene Arten verursacht werden:

  • Typ I: Kontaktallergie, ausgelöst von Zusatzstoffen in Latexmaterial. Häufige Reaktionen sind Kontaktekzeme auf der Haut 
  • Typ IV: Soforttyp, verursacht von wasserlöslichen Naturlatex-Proteinen. Wirbeln diese Proteine in der Umgebungsluft umher, droht eine Sensibilisierung. Aorogene Allergene werden durch den Handschuhpuder an die Raumluft abgegeben

 

Lösen Zusatzstoffe eine Kontaktallergie des Typ IV aus, ist eine leichtere Identifizierung der verursachenden Stoffe möglich als bei Typ I. Bedenkliche Inhaltsstoffe lassen die Hersteller entweder weg und ersetzen sie durch besser verträgliche.

7. Der AQL-Wert – ein bedeutendes Qualitätskriterium

Einweghandschuhe gehören zu den elementaren Utensilien im Gesundheitswesen, um Infektionen oder eine Keimverschleppung zu verhindern. Ein bedeutendes Qualitätskriterium bei Schutzhandschuhen ist der AQL-Wert (Acceptable Quality Level). Bei diesem Wert handelt es sich um eine Stichprobe, die gemäß definierter Vorgangsweisen und festgelegter Normen bereitgestellt wird. Aus den Messergebnissen lassen sich Rückschlüsse auf die Gesamtqualität des Produktes ziehen. Beim statistischen Qualitätsverfahren AQL werden Kenngrößen aus Tabellen anhand von Herstellerempfehlungen abgeleitet, um die Eignung von Handschuhmaterialien zu klassifizieren.

Der AQL-Wert gibt Aufschluss darüber, welche Menge an Handschuhen aus statistischer Sicht fehlerhaft ist. Zunächst wird die Losgröße, die Gesamtmenge aller Handschuhe, festgelegt, woraus sich der Kennbuchstabe ergibt, der in einer Tabelle verzeichnet ist. Danach erfolgt die Festlegung des Prüfniveaus (allgemein oder besonders) mit verschiedenen Unterklassen. Aus Prüflevel und Losgröße ergibt sich der Kennbuchstabe. Jetzt kann in einer anderen Tabelle die Teilmengengröße beziehungsweise die Stichprobe abgelesen werden. Im Anschluss wird der AQL-Wert ermittelt, der als horizontale Ebene in der Tabelle aufgeführt ist.

8. Medizinischer Standard: AQL-Wert von 1,5

Bei medizinischen Handschuhen gilt laut Norm EN 455-1 das Allgemeine Prüflevel I mit der Festlegung eines AQL-Wertes von 1,5. Diese Kenngröße betrifft bei Einmalhandschuhen die Dichtigkeit (Risse, Löcher). Als Prüfverfahren schreiben die Richtlinien eine Wasserhalteprüfung vor. Dabei handelt es sich um eine zerstörende Methode, bei dem ein Handschuh mit einem Liter Wasser befüllt wird und innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens komplett dicht bleiben muss. Der Hersteller gibt auf seiner Verpackung den AQL-Wert an, der Kunden Informationen über die Fertigungsqualität liefert. Industrieller Standard ist ein Wert von 4,0, der Kennwert für den medizinischen Standard entspricht 1,5, als Maximalstandard gilt ein AQL-Wert von 0,6. Zu den weiteren Kenngrößen für Einweghandschuhe gehören eine gute Degenerations- und Permeationsbeständigkeit.

9. Noch ein paar Tipps zur Nutzung von Einmalhandschuhen im Pflegebereich

Anwender, die sterile Schutzhandschuhe tragen, sollten grundsätzlich ein Reserve-Paar bereitlegen, denn Einmalhandschuhe können durch kleinste Unachtsamkeiten unsteril werden. Pflegekräfte müssen immer die Handschuhverpackung auf Beschädigungen kontrollieren und die Handschuhe auf einer keimfreien Ablage platzieren. Vor dem Anziehen ist eine hygienische Händedesinfektion erforderlich. Die Hände müssen vollständig trocken sein, bevor die Schutzhandschuhe übergestreift werden. Bei feuchten Händen kann ein kulmulativ-toxisches Ekzem entstehen. Nach der Verwendung werden die Handschuhe sofort entsorgt, mehrmaliger Gebrauch hebt die Schutzwirkung auf.

Latexallergien machen sich mit Symptomen wie Juckreiz, Hautirritationen tränenden Augen, Husten oder entzündeter Bindehaut bemerkbar. Sollten diese Anzeichen auftreten, muss die Pflegedienstleitung benachrichtigt werden. Um Hautschäden durch Desinfektionsmittel und Handschuhmaterialien vorzubeugen, brauchen die Hände eine besondere Pflege. Geeignet sind milde Hautschutzcremes mit Arginin oder Gerbstoffen, die das Aufquellen der schützenden Hornschicht verhindern. Pflegekräfte massieren die Creme auf dem Handrücken ein, danach folgen Handgelenke und Fingerzwischenräume, zum Schluss werden Fingerkuppen und Nagelfalze eingecremt.

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  • Interssanter Beitrag

    Echt interessant zu wissen was der Hintergrund vom AQL Wert ist. Hab ich so nicht gewusst. Danke.