Einmalhandschuhe – Prüfmethoden und Kennzeichnungen

Egal ob im Krankenhaus, in der Arztpraxis, im Umgang mit Patienten allgemein oder in der Hauskrankenpflege sowie im Seniorenheim - und auch im Wellness und Kosmetikbereich: Einmalhandschuhe kommen im medizinischen Bereich täglich zum Einsatz und sind unerlässlich für zahlreiche Behandlungen und Untersuchungen. Sie dienen dem Schutz vor Infektionen und Keimen, und verhindern das Einschleppen von Bakterien oder eine Übertragung von Krankheiten vom Patienten auf das medizinische Personal und umgekehrt. Vor allem im Umgang mit hochinfektiösen Krankheiten sind Einmalhandschuhe ein absolutes Muss und dienen der Sicherheit des Patienten, der Ärzte und des Pflegepersonals.

Die verschiedenen Angebote und Typen von Einmalhandschuhen bieten für jede Behandlung und jeden Behandelnden den passenden Schutz. Gab es früher nur einige wenige Angebote für Schutzausrüstung und Einmalhandschuhe, kann man heute aus einer großen Palette verschiedener Typen und Größen wählen. Je nach Einsatzgebiet und persönlichen Vorlieben findet man diverse Modelle und kann so hygienisch arbeiten.

Für jede Hand den passenden Einmalhandschuh – so finden Sie ihn

Prinzipiell gilt: Einmalhandschuhe zählen zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) und müssen der Norm EN 455 entsprechen und den Anforderungen der MDD, der Medizinproduktrichtlinie, gemäß produziert sein, um im medizinischen Bereich zum Einsatz kommen zu können. Die Kennzeichnung EN 455 umfasst die Punkte -1 bis -4, die nachfolgend genauer beschrieben werden.

EN 455-1EN 455-2EN 455-3EN 455-4
Dichtheit der Handschuhe - sind sie einwandfrei und haben keine Löcher oder andere Schäden? Wie reißfest sind die Handschuhe, welche Größen sind vorgeschrieben, um für jeden Benutzer gut sitzende Schutzausrüstung zu gewährleisten? Kennzeichnungspflicht für Handschuhe in Bezug auf chemische Inhaltsstoffe, Latexgehalt, Puder, Endotoxine und mögliche Proteine, die sich lösen könnten. Ist kein Puder enthalten, muss dieses kenntlich gemacht werden. Wie lange sind die Handschuhe haltbar? Auf der Packung müssen außerdem Hinweise zur Lagerung gegeben werden (z.B. staubfrei, trocken, vor Hitze schützen)

 

Bei der Norm EN 455-1 wird die Dichtheit der Einmalhandschuhe mit der sogenannten AQL-Quote bewertet und mittels eines Wasserundurchlässigkeitstests geprüft. Die AQL-Quote (Accepted Quality Level) wird unterschiedlich angesetzt und liegt bei Einmalhandschuhen für Untersuchungen bei 1,5.

Der Test über die Dichtheit der Schutzausrüstung wird folgendermaßen durchgeführt:

  • aus der Gesamtproduktionsmenge an Handschuhen wird ein gewisser Teil nach bestimmten Vorgaben herausgenommen und zu Stichproben herangezogen.
  • Diese Handschuhe werden mit Wasser prall gefüllt und genauestens auf ihre Dichtheit überprüft.
  • In einem weiteren Test werden die Einmalhandschuhe mit Luft gefüllt und dann in Wasser getaucht, um zu sehen, ob irgendwo am Handschuh Luftblasen aufsteigen, was ein Zeichen für Löcher und Beschädigungen wäre.
  • Fehlerhafte Einmalhandschuhe werden entfernt und es wird vermerkt, wie viele Handschuhe aussortiert werden mussten.
  • Anhand dieser Zahl errechnet man, wie hoch die Gesamtausfälle sind. Liegt die Zahl zu hoch, wird die Charge nicht ausgeliefert und muss neu produziert werden.

Die Norm EN 455-2 gibt an, wie reißfest und stabil die Schutzausrüstung sein muss - schließlich muss man als Arzt und/oder Pflegepersonal sicher sein können, nicht schon beim Anziehen der Handschuhe Löcher an den Fingern zu bekommen. Natürlich ist man nie vor Schäden an Handschuhen gefeit, doch durch die Anforderungen und Tests der Norm EN 455-2 ist gewährleistet, dass so wenig Löcher und Schäden wie möglich auftreten. Zusätzlich zur Stabilität ist in der DIN EN 455-2 festgelegt, welche unterschiedlichen Größen und Ausformungen die Einmalhandschuhe haben sollen. Man unterscheidet zunächst zwischen Handschuhen für den Einsatz im Operationssaal und Handschuhen für Untersuchungen oder für die Pflege von Patienten.

Für OP-Handschuhe gelten folgende Größen und Maße:

 Größe Maße (mindestens)
5 250 mm Länge, 67 mm +/-4 mm Breite
5,5 250 mm Länge, 72 mm +/-4 mm Breite
6 260 mm Länge, 77 mm +/-5 mm Breite
6,5 260 mm Länge, 83 mm +/-5 mm Breite
7 270 mm Länge, 89 mm +/-5 mm Breite
7,5 270 mm Länge, 95 mm +/-5 mm Breite
8 270 mm Länge, 102 mm +/-6 mm Breite
8,5 280 mm Länge, 108 mm +/-6 mm Breite
9 280 mm Länge, 114 mm +/-6 mm Breite


Einmalhandschuhe, die nicht diesen Anforderungen und Vorgaben entsprechen, dürfen im OP-Bereich nicht eingesetzt werden und werden von Kliniken oder Praxen mit OP-Betrieb nicht geordert.

Für Schutzausrüstung im Pflege- und Untersuchungsbereich schreibt die Norm EN 455-2 folgende Größen vor:

GrößeMindestmaße mit Naht    Mindestmaße ohne Naht  
Extraklein (XS) 270 mm lang, 80 mm breit 240 mm lang
Klein (S) 270 mm lang, 80 mm +/-10 mm breit 240 mm lang
Mittelgroß (M) 270 mm lang, 95 mm +/-10 mm breit 240 mm lang
Groß (L) 270 mm lang, 110mm +/-10 mm breit 240 mm lang
Extragroß (XL) 270 mm lang, >110 mm breit 240 mm lang

 

Die EN 455-3 regelt die Inhaltsstoffe der Einmalhandschuhe und legt fest, welche chemischen Komponenten enthalten sein dürfen. Man unterscheidet bei Schutzausrüstung und Einmalhandschuhen zwischen

  • Handschuhen aus Vinyl,
  • Einmalhandschuhen aus Latex,
  • Einmalhandschuhen aus Nitril,
  • Handschuhen aus Polyisopren.

Zunehmende Unverträglichkeiten und Allergien gegen Latex sowohl bei Ärzten und Pflegepersonal als auch bei Patienten führten dazu, dass heute in vielen Krankenhäusern, Praxen und anderen Einrichtungen, in denen Schutzausrüstung eingesetzt wird, Latexhandschuhe durch den Einsatz von Vinyl- oder Nitril-Einmalhandschuhen ersetzt wurden.
Es gibt sowohl gepuderte Einmalhandschuhe als auch puderfreie Handschuhe. Die gepuderten Handschuhe lassen sich besser überziehen und sorgen für besseren Halt. Allerdings reagieren auch auf den Puder viele Ärzte und Pfleger bzw. Krankenschwestern allergisch, weshalb von einigen Herstellern empfohlen wird, puderfreie Einmalhandschuhe zu benutzen. Jeder in der Medizin Tätige sollte verschiedene Schutzausrüstungen und Einmalhandschuhe probieren und in der Praxis erproben. Während der eine gerne mit gepuderten Handschuhen arbeitet, bevorzugt der andere Vinyl und wieder andere benutzen - je nachdem, welche Untersuchung oder Behandlung ansteht - verschiedene Typen von Handschuhen.

In der Kennzeichnung EN 455-4 schließlich findet man ausführliche Hinweise zu Lagerung, sachgemäßem Gebrauch und Haltbarkeitsdauer für Einmalhandschuhe. Auf jeder Packung muss vermerkt sein, wann die Handschuhe produziert wurden und wie lange sie verwendet werden dürfen. Auch der stabilste Handschuh wird irgendwann spröde, und wenn man Einmalhandschuhe nach dem Ablauf des Haltbarkeitsdatums verwendet, können sie aufgrund zu langer Lagerung Schäden wie Löcher, aufgerissene Nähte u.ä. aufweisen, sodass ein sicheres, hygienisches Arbeiten mit dieser Schutzausrüstung nicht mehr gegeben ist. Dann sollten die Handschuhe fachgerecht entsorgt und neue Modelle bestellt werden.

Auch die Lagerung ist wichtig. Um zu gewährleisten, dass die Einmalhandschuhe einwandfrei benutzbar bleiben, müssen sie richtig gelagert werden. Wichtig ist ein trockener Lagerplatz, an dem die Handschuhe vor Hitze geschützt werden. Zu große Hitze oder große Temperaturschwankungen führen dazu, dass die Schutzausrüstung an Elastizität und Stabilität verliert. Das Material wird spröde und anfällig für Risse und Löcher. Mit einem trockenen Lagerort und gleichmäßiger, nicht zu hoher Temperatur stellt man sicher, dass die Einmalhandschuhe ihre gute Qualität dauerhaft behalten und man sie ohne Bedenken auch nach längerer Lagerzeit verwenden kann.

Die Kennzeichnung EN 374 – wichtige Norm gegen Penetration und Permeation

Eine weitere wichtige Prüfmethode für Einmalhandschuhe und Schutzausrüstungen ist die DIN EN 374. Sie legt fest, welchen Anforderungen Schutzhandschuhe gegen Chemikalien und Mikroorganismen genügen müssen, um im medizinischen Bereich eingesetzt werden zu können. Vor allem in Labors, die mit chemischen Stoffen arbeiten, oder bei Operationen ist es unerlässlich, dass Einmalhandschuhe und Schutzausrüstung resistent gegen Mikroorganismen und chemische Prozesse und Stoffe sind. Die Kennzeichnung EN 374 unterscheidet hier zwischen

  • Einmalhandschuhen für den einfachen Gebrauch mit weniger Schutzbedarf und
  • vollwertigen Einmalhandschuhen mit erhöhtem Schutzbedarf.

Je nachdem, mit welchen chemischen Mitteln die Schutzausrüstung in Kontakt kommt, sind die Handschuhe mit einem Symbol gekennzeichnet. Einmalhandschuhe für den einfachen Gebrauch tragen den sogenannten Erlenmeyerkolben als Kennzeichen und schützen vor Permeation, also der Durchlässigkeit von Chemikalien für bis zu 30 Minuten. Für Schutzausrüstung und Handschuhe hat man in der Norm EN 374 einen Index von 1 bis 6 festgelegt und es gilt: je höher die Klasse, desto höher der Schutz. Außerdem legt die Kennzeichnung EN 374 die Durchbruchzeiten von Chemikalien fest. Mit Durchbruchzeit bezeichnet man die Dauer, die eine Chemikalie benötigt, um eine Schutzausrüstung und Einmalhandschuhe bis auf die Haut des Benutzers zu durchdringen und sie somit unbrauchbar zu machen. Man unterscheidet hierbei zwischen

  • dem Kontakt der Chemikalie mit der Oberfläche der Schutzausrüstung, wie es zwangsläufig im Gebrauch passiert,
  • dem Verbreiten der Chemikalie und dem Durchdringen des Handschuhs,
  • dem letztlichen Kontakt der Chemikalie mit der Haut im Inneren des Handschuhs.

Durchbruchzeit  Schutzklasse 
Unter 10 Minuten 1
Unter 30 Minuten 2
Unter 60 Minuten 3
Unter 120 Minuten 4
Unter 240 Minuten 5
Unter 480 Minuten 6

 

Zu den Chemikalien der Klasse 2 zählen beispielsweise

  • Methanol,
  • Ester,
  • Anorganische Basen,
  • Anorganische Säuren.

Das heißt also: arbeitet man mit Chemikalien der Klasse 2, schützen die Handschuhe bis zu 30 Minuten vor einem Durchdringen der Moleküle in den Handschuh - und damit auf die Haut.

Für vollwertige Einmalhandschuhe wurde in der Norm EN 374 das Symbol "Becherglas" als Kennzeichnung festgelegt. Schutzausrüstung, die mit dem Becherglas gekennzeichnet wurde, ist wasserdicht, luftundurchlässig und kann für eine bestimmte Dauer im Umgang mit Chemikalien verwendet werden. Einige Hersteller listen auf ihren Packungen auf, mit welchen Chemikalien man mit ihren Einmalhandschuhen arbeiten kann. Allerdings ist eine Permeation auch abhängig von der Temperatur, in der mit der Schutzausrüstung gearbeitet wird. Bei sehr hohen bzw. sehr niedrigen Temperaturen kann die Durchbruchzeit einer Chemikalie verringert werden.

Als Penetration gilt bei der Norm EN 374, wenn Chemikalien aufgrund von Beschädigungen durch Löcher, Nadeln oder aufgerissene Nähte in die Schutzausrüstung eindringen können. Es gilt also, vor dem Überstreifen der Handschuhe diese auf eventuell vorhandene Schäden zu prüfen und gegebenenfalls gegen einwandfreie Schutzausrüstung auszutauschen. Auch im Umgang mit Spritzen, Nadeln und anderer medizinischer Ausrüstung, die zu einer Perforation der Handschuhe führen kann, ist Vorsicht geboten. Entstehen also durch Materialfehler oder unsachgemäße Handhabung Schäden, durch die Chemikalien den Handschuh durchdringen können, spricht man von Penetration. Dringen die Chemikalien aufgrund ihrer Struktur nach einer gewissen Zeit während einer Behandlung durch die Handschuhe, spricht man von von Permeation.

Auf Herz und Nieren geprüft: Einmalhandschuhe auf dem Prüfstand

Man sieht also: Einmalhandschuhe und Schutzausrüstung werden diversen Prüfmethoden unterzogen, um zu garantieren, dass im Umgang mit Kranken und bei Studien und Laborversuchen die größtmögliche Hygiene und der bestmögliche Schutz vor Chemikalien gewährleistet ist. Sowohl die Materialien als auch die praktischen Faktoren wie Größen und benutzerfreundliche Gestaltung unterliegen ständigen Tests und den Kennzeichnungen EN 455 1-4 und EN 374. Reiß- und Wassertests gehören ebenso zur Qualitätssicherung, wie Tests hinsichtlich der Penetration und Permeation der Handschuhe. So kann jeder Arzt, das Pflegepersonal in Krankenhäusern und Seniorenheimen und auch wissenschaftliche Mitarbeiter und Laboranten der Chemie- und der Pharmabranche Untersuchungen, Forschungen und Operationen durchführen und sicher sein, dass die Schutzausrüstung und medizinischen Handschuhe höchsten Ansprüchen im Hinblick auf die Sicherheit und Hygiene genügen. Einmalhandschuhe kommen heute neben der Medizin auch in der Gastronomie und der Kosmetikbranche zum Einsatz. Sie bieten für jede Anwendung in jeder Branche umfassenden Schutz und sorgen immer für hygienische Arbeit, egal ob am Patienten, in der Küche oder im Dienste der Schönheit.

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