Mit persönlicher Schutzausrüstung einwandfreie Hygiene genießen

In medizinischen Berufen und Einrichtungen steht ein Faktor ganz oben auf der Liste der zu beachtenden Maßnahmen: ausreichende und umfassende Hygiene, die eingehalten werden muss, um Laboranten, Wissenschaftler, Ärzte und Pflegepersonal vor Infektionen und anderen Hygienerisiken wirksam zu schützen. Einer breiten Öffentlichkeit sind Schutzausrüstungen meist nicht bekannt; nur bei Katastrophen und Seuchen wie der Ebola-Epedemie im Jahr 2014 geraten Schutzanzüge und ähnliches Equipment in den Fokus der Menschen.

Neben den allgemeinen Maßnahmen, die für jeden gelten, der in der Medizinbranche oder in der Forschung arbeitet, steht mit der persönlichen Schutzausrüstung, kurz PSA, ein ganz besonders effektiver Schutz bereit. Doch was bedeutet die persönliche Schutzausrüstung im Einzelnen und welche Kategorien gibt
es?

Die rechtlichen Grundlagen einer PSA gemäß EU-Richtlinien

Die EU-Richtlinie 89/686/EWG, §1 (2) lautet wie folgt:
"Als PSA gilt jede Vorrichtung oder jedes Mittel, das dazu bestimmt ist, von einer Person getragen oder gehalten zu werden, und das diese gegen ein oder mehrere Risiken schützen soll, die ihre Gesundheit sowie ihre Sicherheit gefährden."

Jeder Arbeitnehmer, der in einer Branche mit Risikopotenzial in Bezug auf Infektionen, Gefahrstoffe und chemische Reaktionen arbeitet - wie Labors mit dem Schwerpunkt biotechnologischer und/oder pharmazeutischer Arbeiten -, hat per Gesetz das Recht auf umfassenden und ausreichenden Schutz vor Kontaminierung mit Chemikalien und anderen Gefahrstoffen. Dieser Schutz muss vom Arbeitgeber in Form einer persönlichen Schutzausrüstung gestellt werden.
Laut EU-Richtlinien 89/686/EWG sind beide Seiten in der Pflicht: Der Arbeitgeber muss für PSA sorgen, der Arbeitnehmer ist verpflichtet, seine persönliche Schutzausrüstung zu tragen. Tut er es nicht, muss die Berufsgenossenschaft bzw. der Arbeitgeber im Falle einer Pflichtverletzung oder eines Unfalls keine Zahlungen wie Schadenersatz, Krankheitsgeld etc. leisten. Stellt der Arbeitgeber keine ausreichende Schutzkleidung und/oder keine Einmalhandschuhe zur Verfügung, kann der Arbeitnehmer bei einem Unfall oder einer Verletzung auf Schadenersatz und Schmerzensgeld klagen.

Welche Kategorien einer PSA gibt es?

Je nach Gefährdungsgrad unterscheidet man drei verschiedene Kategorien der persönlichen Schutzausrüstung. In folgender Tabelle werden diese zunächst kurz erläutert:

Kategorien der persönlichen Schutzausrüstung

KategorieSchutz gegenKennzeichen
I Geringes Risiko
und absehbare Kontaminierungs-/Infektionsgefahr
CE
II Mittleres Risiko und
leicht erhöhte Kontaminierungs-/Infektionsgefahr
CE
III Hohes Risiko,
hohes Risiko für lebensbedrohliche Kontaminierungen und
Unfälle mit großer Gesundheitsgefahr und körperlichen Schäden
CE mit einer Kennnummer

 

Die Kategorie I besagt, dass bei Tätigkeiten dieser Risikostufe nur eine geringe Gefährdung für Leib und Leben gegeben ist und nur allgemein übliche Schutzmaßnahmen wie die Verwendung von Einmalhandschuhen, Desinfektionsmittel und Kittel vorgeschrieben sind. PSA ist hier also nicht nötig und wird nicht ausgegeben. Mögliche Arbeitsunfälle sind meist glimpflicher Natur, ohne größere Verletzungen, und müssen der Berufsgenossenschaft nicht gemeldet werden.

Etwas anders sieht es in der Kategorie II aus. Tätigkeiten dieser Einstufung beinhalten ein höheres Risiko für Verletzungen und Kontaminierungen - man muss größere und umfangreichere Schutzmaßnahmen ergreifen, um sich und andere zu schützen. Neben Einmalhandschuhen und der üblichen Desinfektion werden nach bestimmten Tätigkeiten oft besondere Reinigungsmaßnahmen durchgeführt, und die Arbeitskleidung wird gesondert aufbewahrt, gewechselt und speziell gereinigt, um jegliches Risiko für Kontaminierung so gering wie möglich zu halten.

Kategorie III schließlich erfordert eine persönliche Schutzausrüstung für jeden, der Tätigkeiten dieser Einstufung ausübt. Hierbei handelt es sich um Arbeiten mit höchstem Risiko für Infektionen, Kontaminierung mit gefährlichen Stoffen und dadurch mögliche Schäden für Leib und Leben. Absolut essenziell, um Kontakt mit gefährlichen Stoffen, Keimen oder Chemikalien zu vermeiden, ist dabei eine gründliche Desinfektion, das Tragen von Schutzhandschuhen und eine PSA, die kein Körperteil frei lässt. Das bedeutet, mit Schutzhandschuhen und/oder einem Mundschutz allein ist es nicht getan.

Jeder Arbeitgeber, der Angestellte und Mitarbeiter in einem Umfeld der Kategorie III beschäftigt, ist gesetzlich verpflichtet, diese mit einer persönlichen Schutzausrüstung zu versorgen, welche die möglichen Gefahren der Kategorie III abdeckt. Doch was umfasst eine persönliche Schutzausrüstung und wie viele Teile sind nötig, um perfekt und umfassend geschützt arbeiten zu können?

Von Kopf bis Fuß geschützt – die PSA im Einzelnen

Eine persönliche Schutzausrüstung besteht aus den folgenden Elementen:

  • Schutzhandschuhe
  • Schutzhelm bzw. Kopfschutz
  • spezielle Arbeitsschuhe
  • Schutzanzüge
  • Schutzbrillen, falls kein Rundum-Kopfschutz eingesetzt wird
  • Atemschutz
  • Überziehschuhe

 je nach Tätigkeit und Kategorie sind Arbeitnehmer verpflichtet, sich mit einem, mehreren oder allen Bestandteilen einer persönlichen Schutzausrüstung einzukleiden, um sich wirksam vor Unfällen, Kontaminierung und Verletzungen schützen zu können. Für das Baugewerbe gelten andere Vorschriften als für die Medizinbranche. Für Labors gibt es je nach Tätigkeiten ebenfalls unterschiedliche Vorgaben, und so muss jede Branche entscheiden, wie groß der Gefährdungsgrad ist und welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen. Bei den Materialien für PSA gibt es je nach Einsatzgebiet und Kategorie ebenfalls verschiedene Möglichkeiten. Eingesetzt werden u.a.

  • Baumwolle
  • Kevlar
  • Chloropren/Neopren
  • Hochleistungspolyethylengarn, kurz Hochleistungs-PE
  • Nitril

 Für Tätigkeiten der Kategorien I und II nutzt man beispielsweise Baumwolle aufgrund ihrer hautfreundlichen, angenehmen Trageeigenschaften. Für Einsätze der Kategorie III wäre sie allerdings nicht geeignet; hier setzt man z.B. Nitril ein, das in Chemikalienschutzhandschuhen verwendet wird und eine sehr gute Durchbruchzeit gegen Chemikalien und Säuren aufweist. Beim Thema Handschuhe gilt es außerdem zu beachten: ein Einmalhandschuh ist nicht gleich ein Handschuh für risikoreiche Tätigkeiten, und mit einem medizinischen Handschuh kann man keine Arbeit erledigen, für die es einen Schutzhandschuh braucht. Deshalb sollte man den Unterschied zwischen einem Schutzhandschuh und einem medizinischen Handschuh etwas genauer betrachten, um Risiken zu minimieren und Schädigungen zu vermeiden.

Schutzhandschuh vs. medizinischer Handschuh

Einmalhandschuhe, die als medizinische Handschuhe z.B. im Pflegebereich oder bei der Behandlung in einer Praxis oder im Krankenhaus eingesetzt werden, entsprechen immer der DIN EN 455, das heißt, sie werden getestet auf Reißfestigkeit und ihre Robustheit in puncto Durchbruchzeit (Permeation). Zusätzliche Anforderungen gelten für die Haltbarkeit und die Kennzeichnungspflicht über Inhaltsstoffe wie Puder, Endotoxine, den Latexgehalt und Proteine, die sich lösen könnten. Ein Schutzhandschuh, der Teil einer PSA ist, muss einige zusätzliche Anforderungen erfüllen, wie sie in der DIN EN 420 vorgeschrieben sind.

Risikobewertung und Überwachung – die DGUV

Allerdings hat beim Thema Risikobewertung und Sicherheit gegen Unfälle auch ein Verband ein Wörtchen mitzureden – die DGUV. Hierbei handelt es sich um die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. Für alle gewerblichen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen ist sie der Spitzenverband und kümmert sich seit 2007 um alle Belange rund um Sicherheitsmaßnahmen, Unfälle und Risikobewertungen von über 70 Millionen Menschen, die in Unternehmen arbeiten, für die im Falle eines Arbeitsunfalls oder einer Schädigung auf dem Weg zur oder von der Arbeit eine Berufsgenossenschaft und/oder eine Unfallkasse zuständig ist. In sechs Landesverbänden regelt die DGUV alles, was in den Bereich Risikobewertung, Unfallverhütung und die Regelung bei einem Betriebsunfall gehört. Je nach Branche gibt es höhere oder geringere Standards zu beachten. Wenn in der PSA-Kategorie III ein Unfall passiert, erfolgt durch die DGUV eine genaue Prüfung der Vorgänge, um zu sehen, ob sämtliche Vorschriften eingehalten und die persönliche Schutzausrüstung vom Arbeitnehmer getragen wurde – in korrekter und einwandfreier Güte.

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